KRISEN MEISTERN: 3 Vorschläge, um positiv und gestärkt hervorzugehen

Hallo und herzlich willkommen auf meinem Blog!

Das ist mein erster Beitrag und ich bin gespannt und neugierig, wohin das führt… „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ schrieb Hermann Hesse in seinem Gedicht Stufen. Ein optimistisches Gedicht über das Leben im Jahre 1941, also mitten im 2. Weltkrieg? Krise als Chance, Weiterentwicklung sehen? Ja, darum geht es auch mir heute. Corona mal anders… wie wir Krisen meistern.

Gleich vorweg: Mir ist bewusst, dass es manche Menschen hart getroffen hat. Das möchte ich sicher nicht verharmlosen! Was ich allerdings in meinem Umfeld mitbekomme, ist weder plötzliche Armut noch Tod oder sonstige Hoffnungslosigkeit, sondern schlicht Unmut, weil etwas anders als gewohnt verläuft. Daher meine drei Ideen für einen konstruktiven Umgang mit Krisen:

1. Kämpfe nicht gegen Wellen, lass dich von ihnen in die Zukunft tragen

Wie oft warst du darauf bedacht, dass alles so läuft wie immer? 

Ich freue mich, wenn der Alltag möglichst reibungslos verläuft. Strukturiert, mit Pausen zum Luft holen… In meinem Fall hieß das in den Monaten vor Corona: Mann geht zur Arbeit, großer Sohn zur Grundschule, der Mittlere zum Kindergarten und mit dem Kleinsten im Tragetuch konnte ich neben Haushalt & Co zwischendurch spazieren gehen, mich mit Freunden treffen, abschalten. 

Und nun? Corona! Alles durcheinander. Erst zwei Wochen Quarantäne, weil die Erzieherin im Kindergarten positiv war. Dann Aufregung, weil die Kids selbst mit hohem Fieber und Atembeschwerden flach lagen. Inzwischen Klarheit, dass wegen meiner vorgeschädigten Lunge besondere Vorsicht geboten ist und in absehbarer Zeit auch weiterhin keiner der Jungs in Schule, Kindergarten oder zu Freunden sollte. Mein Mann muss/darf dagegen wie gewohnt zur Arbeit, Homeoffice nicht gewünscht?!

Frei nach Goethe: „Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Heiße Magister (bzw. Master;), heiße Doktor gar“ …und bringe dennoch nicht wie geplant nun auch den Jüngsten zur Kita und suche mir Arbeit, sondern bleibe stattdessen wohl noch eine ganze Weile zu Hause mit allen drei Kids 24/7 um mich herum. Werde Vollzeit-Erzieherin, Grundschul- und Musikschullehrerin, Trainerin, Dauer-Köchin einer hungrigen Meute u.v.m. 

Du wirst sicher eine ähnliche Geschichte auf Lager haben, wie Corona deine Vorstellung von 2020 oder gar deine gesamte Lebensplanung durchkreuzte. Vielleicht auch, dass du dadurch finanzielle Einbußen hast, dich überfordert fühlst und/oder allein gelassen? 

Ja, es ist mitunter anstrengend, beängstigend, frustrierend! Und ja, es ist in Ordnung traurig, enttäuscht oder wütend zu sein, wenn Dinge anders verlaufen als geplant. Solche Gefühle gehören auch verarbeitet, keine Frage. Aber dann:

Corona mal anders

Gegen Wellen anzukämpfen, die du nicht umgehen kannst, ist auf Dauer ermüdend, kostet viel Kraft und – sei mal ehrlich – was bringt es dir? Um Krisen meistern zu können solltest du umdenken.

Dich fragen: Was hat es uns Deutschen gebracht, im Februar möglichst lange noch (während die Viren sich ungehindert verbreiteten) Normalität zu haben und auch jetzt immer wieder schnell schnell Pseudo-Normalität zu wollen? Genau das Gegenteil: Für lange Zeit keine Rückkehr zum früheren Alltag, weil es sich nun in die Länge zieht.

Ja, ich frage tatsächlich: Was wäre so schlimm daran gewesen, früher und in einen strikteren Lockdown zu gehen und diesen auch etwas länger durchzuziehen, wie bspw. Neuseeland es getan hat, um nach 7 Wochen virusfrei zu sein? (Vgl. Tagesschau-Artikel).

Aber nein: Stattdessen wird hier gekämpft, was das Zeug hält, damit alles schnell wieder „beim Alten“ ist. Ein Kämpfen gegen bestehende Wellen (= Viren), die auch die größten Verschwörungstheoretiker nicht wegdiskutieren können. 

Ein Kämpfen, weil die persönliche Freiheit bedroht ist? Begründet durch Aussagen, wie: „Ich will jederzeit ins Kino / zum Konzert / ins Restaurant gehen dürfen“ oder „Ich will meine Kinder wieder zum Kindergarten bringen, sonst bleibt ja keine Zeit für mich“? 

Keine Frage: Ich gehe auch sehr gerne auf kulturelle Veranstaltung, habe gerne Menschen um mich und führe ein selbstbestimmtes Leben. Gleichzeitig bin ich sehr glücklich in einem demokratischen Land wie Deutschland zu leben, dessen Politiker Verantwortung übernehmen und durch die Verordnung von Schutzmaßnahmen für alle einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems verhindert haben. 

Schade, dass der Kampf um Normalität besagte Politiker nun zu einem Einknicken brachte, bevor die Infektionszahlen wirklich überschaubar und eindämmbar wurden.

Schade, dass wir nun doch wieder irgend so einen Mittelweg gehen, der versucht, es allen recht zu machen und dadurch keinem gerecht wird. Der ständige und langfristige Unsicherheit mit sich bringt. 

Krisen meistern zu können hängt häufig auch damit zusammen, wie sehr Menschen auf sich fixiert sind bzw. wie sie mit anderen umgehen. Wer festgefahren ist tut sich schneller schwer über den eigenen Tellerrand zu schauen und Verantwortung zu übernehmen.

Individuelle Freiheit endet in unserer Gesellschaft nunmal dort, wo in die Freiheit und Menschenrechte anderer eingegriffen wird. Ich fahre ja auch nicht mit 100 km/h durch die Stadt, nur weil ich Lust dazu hätte. „Freiheit ist nur möglich, wenn sie in eine solidarische, gesellschaftliche Struktur eingebettet ist.“ (s. CoronaBlog).

Was also ist aus Solidarität und Verantwortung geworden?

Um deine Krise zu meistern frage dich: War und ist dieser Kampf gerade wirklich nötig und sinnvoll? Geht es tatsächlich um meine nackte Existenz oder vielleicht doch mehr um mein Ego? 

Paddel ich vielleicht nur aus Prinzip gegen Wellen, weil mir das Neue / Ungewisse Angst macht?

2. Krisen meistern: Schaue nicht darauf, was du nicht hast, sondern auf alles, was du hast

Hast du auch das Gefühl, dass ein Meckern, was alles nicht geht, gerade zum guten Ton gehört? Und wie fühlst du dich wirklich derzeit?

Meine Familie wird beispielsweise betrauert, weil wir uns aufgrund meiner Vorerkrankung weiterhin nicht mit anderen Familien treffen. „Ihr müsst euch ja total eingesperrt fühlen, vereinsamen etc.“? Nein, lautet meine klare Antwort! 

Wir können doch täglich raus bei meist schönstem Wetter (vlg. dazu bspw. Spanien, wo nach 6 Wochen zum ersten Mal wieder ein Elternteil mit max. einem Kind für max. eine Stunde vor die Tür durfte). 

Wir machen Ausflüge, entdecken dabei so viele schöne neue Landschaften. Unterhalten uns mit Menschen auf der Straße, im Wald. Wir skypen, chatten, telefonieren, haben nun beste Balkon- und Nachbars-Bekanntschaften.

Wir haben viel mehr Zeit für uns als Familie, wir spielen Spiele, werkeln, basteln, backen. (Apropos: Hattet ihr zu irgendeiner Zeit Engpässe in Sachen Wareneinkauf? Meine Schwägerin in Seattle hat sich Getreide und eine Getreidemühle zugelegt, weil Mehl oft nicht herzubekommen ist.)

Ja, es ist anders als bisher. Wir hatten sonst meist volle Wochenenden mit zahlreichen Freundes- und Freizeitaktivitäten und natürlich vermisse ich so manches Zusammenkommen. Aber ehrlich gesagt genieße ich auch die Zeit für und Konzentration auf uns als Familie. Mein Mann und meine Kinder im Übrigen auch;-)

Wie geht es dir? Sind bei dir vielleicht auch positive Erfahrungen in den vergangenen Monaten zu entdecken? Neue Qualitäten bestehender „Selbstverständlichkeiten“? Dinge, die du bewusster machst? Momente, die durchaus genießbar sind?

👍🏻 So geht Krisen meistern!

Freunde, die weit weg wohnen, sind mir durch die, nun gängige, Videotelefonie wieder näher gerückt. Hast du vielleicht auch in den vergangenen Wochen mehr tiefgründige Gespräche als zuvor geführt? Menschen, die sich Zeit nehmen oder Werte wie Verlässlichkeit und Empathie wahrgenommen?

Zukunftsforscher Matthias Horx bestätigt mein Gefühl: „Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. […] Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, stieg an. […] Man kommunizierte wieder wirklich.“ (s. Horx: Die Welt nach Corona).

Also wieder eine Frage an dich: Sind wir gerade wirklich so arm dran, weil wir nicht wie gewohnt in die Kneipe, ins Fitnessstudio oder ins Kino gehen können? Ist es wirklich so entscheidend, was wir gerade nicht haben oder machen dürfen? 

Um Krisen meistern zu können mache dir bewusst, was du alles hast. Ein Dach über dem Kopf, zu Essen, was der Magen begehrt, jederzeit fließendes, warmes Wasser, Gesundheit, Frieden im Land, Politiker, die helfen (nicht kontrollieren wollen, s. bspw. die tausendfach zwecks Datenschutz geprüfte Corona-App;-), liebe Menschen um dich herum u.v.m.

Krisen meistern Dankbar sein

3. Sehe die Krise als Chance zur Weiterentwicklung

Wie fühlt es sich für dich an, die Krise als Chance zur Weiterentwicklung zu sehen? Sträubt sich erst einmal alles? Das ist okay. Bitte lass dich dennoch einen Moment darauf ein:

„Jede Tiefenkrise hinterlässt eine Story, ein Narrativ, das weit in die Zukunft weist. Eine der stärksten Visionen, die das Coronavirus hinterlässt, sind die musizierenden Italiener auf den Balkonen. Die zweite Vision senden uns die Satellitenbilder, die plötzlich die Industriegebiete Chinas und Italiens frei von Smog zeigen.“ (s. Horx).

Sehen wir doch mal das große Ganze, unsere Erde. In Sachen Umweltschutz steht Corona sogar in äußerst glanzvollem Licht: Viel weniger Umweltverschmutzung, Satellitenbilder frei von Smog.

Klar: „Niemand wünscht sich, dass die Welt ihren CO2-Fußabdruck auf diese Art und Weise reduziert. Die Frage ist, was wir daraus lernen.“ (s. Mast: Der Planet atmet auf). Menschen erkannten zum Beispiel, dass so manche Geschäftsreise wunderbar durch Videoschalte ersetzt werden kann. Das ist doch ein schöner, ausbaufähiger Ansatz, oder?

In Deutschland beispielsweise ein Ruck in Richtung digitaler Weiterentwicklung. Zumindest bundesweit im Bereich Bildung, anscheinend… (mein Großer bekam vor Wochen zugesichert, dass er die 2 Schulstunden täglich per Videoschalte mitmachen kann. Bislang wegen „technischer Probleme“ Fehlanzeige.) Auch hier wäre doch wünschenswert, dass sich neue, längst notwendige Denkweisen für die Zukunft bilden, oder was meinst du?

Und bei uns selbst? Sahst du nicht auch am Anfang der Krise einen ungeahnten Zusammenhalt unserer Gesellschaft? Solidarität, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit? Welch wunderbare Werte! Ich wünsche mir auch hier Nachhaltigkeit.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter: Direkt zu dir. War womöglich manch neue Erfahrung der vergangenen Wochen (Dinner@home, Autokino, mehr Kontakt mit Nachbarn o.ä.) ein Zugewinn für dich? 

Hat der Bruch mit der Gewohnheit (bspw. statt ins Fitnessstudio zu gehen im Wald zu laufen) gar Vorteile offenbart? Hat er dich veranlasst, anders und neu zu denken und zu der Gewissheit geführt, dass ‚anders‘ auch ‚besser‘ bedeuten kann?

Ja, ok – du wurdest vielleicht ausgebremst. Dein Plan von 2020 sah anders aus. Vielleicht hast du schmerzlich erfahren, dass mancher Freundschaft die nötige Tiefe fehlt… aber doch auch neue dazu gewonnen, oder?

Vielleicht hast du Ängste, beruflich abgehängt zu werden. Das kann ich verstehen. Auch mir sind Erfolg und Vorankommen, Strukturen und Ziele wichtig (s. meinen Lebenslauf oder den Artikel Glück und Erfolg;-), aber doch nicht um jeden Preis.

Krisen meistern zu können und gestärkt aus ihnen hervorzugehen erfordert Herz.

Jetzt zählt Menschlichkeit, Solidarität, Vertrauen und Gemeinwohl! Und das sind wunderbare Eigenschaften, die uns langfristig mehr voranbringen werden als alles andere. Das garantiere ich dir! 

Lasse los. Lass dich von den Wellen in die Zukunft tragen und wer weiß: Vielleicht kannst du auf der einen oder anderen sogar surfen und neue, ungeahnt schöne Strände entdecken.

Alles Liebe & Gute,

deine STEPH